Wir sind müde - nicht, weil uns die Tiefenökologie auslaugt, sondern weil das Navigieren durch diese Welt eine tägliche Prüfung ist. Es ist nicht das tiefe Spüren, nicht das Raumhalten, das uns erschöpft. Es sind die Schichten des Systems:Deadlines. Werbung. Bürokratie. Finanzieller Druck.Der Lärm der Nachrichten. Die Schwere globaler Gewalt.Der ständige Versuch, „trotz allem“ etwas anders zu machen.Tiefenökologie ist keine weitere Aufgabe.Sie ist eine Praxis, die wieder verbindet:mit unseren Wurzeln, unseren Körper, unserer Beziehungsfähigkeit, unserer Kraft. Und gleichzeitig:Diese Praxis entsteht nicht im Alleingang.Sie lebt von Gemeinschaft, von Begegnung, von gemeinsamem Atmen. Dieses Jahr haben wir viele Stunden dafür aufgebracht, diese Praxis so zugänglich wie möglich zu machen:Räume finden, Termine koordinieren, Konzepte entwickeln, Texte schreiben, Flyer gestalten, Anfragen beantworten, Finanzierung klären. Und immer wieder neu: anpassen, bündeln, auffangen - wenn Räume wegfallen, Gruppen zu klein sind, Bedingungen sich ändern. Arbeit, die oft unsichtbar bleibt. Das alles passiert in einem Widerspruch, der im Turbokapitalismus immer deutlicher zutage tritt: Ein System, das offensichtlich obsolet ist, versucht sich mit noch mehr Regeln und Autoritäten zu stabilisieren.Ein System, das - wie "Hospicing Modernity" beschreibt - bereits im Sterben liegt, aber noch um sich schlägt.Wir alle jonglieren: Energie, Zeit, Existenzsicherung, Erschöpfung.Kein Wunder, dass gemeinschaftliche Begegnung fast radikal wirkt. Dass wir erst aus dem Hamsterrad fallen müssen, um Raum füreinander zu spüren.Und während all das passiert, nähern wir uns dem dunkelsten Tag des Jahres.Die Natur zieht sich zurück.Sie sagt Stille.Sie sagt Pause.Sie sagt: „Geh nach innen, wenn du leben willst.“Doch unsere Gesellschaft macht weiter Lärm.Weiter Druck.Weiter Funktionieren.So stehen wir zwischen Welten:Die laute Stimme, die ruft: „Mach weiter! Aktionismus ist dringlich!“ und die leise, die flüstert: „Werde langsamer.“ Vielleicht ist unsere Praxis in dieser Zeit genau das:ein leises, unbequemes, sanftes Aufbegehren. Ein Versuch, uns wieder in den Rhythmus zu weben — in uns und zwischen uns. Damit wir nicht ausbrennen, sondern wieder bewohnbar werden - für uns selbst, füreinander, für das Leben, das durch uns leben will.
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